NEOADJUVANTE THERAPIE

Als neoadjuvante Therapie bezeichnet man  eine Behandlung, die vor der Tumoroperation stattfindet. Mit Hilfe der neoadjuvanten Behandlung soll der Tumor bereits vor der Operation so weit verkleinert werden, dass man ihn anschließend schonend und möglichst vollständig heraus operieren kann oder eine Operation überhaupt erst möglich wird.

Beim Mastdarmkrebs im Stadium II und III ist eine neoadjuvante Therapie Standard, entweder als  Strahlentherapie (Radiotherapie) oder als kombinierte Strahlen- und Chemotherapie (Radiochemotherapie). Bei Dickdarm- oder Mastdarmkrebs im Stadium IV kann eine neoadjuvante Chemotherapie Lebermetastasen, die zunächst nicht herausoperiert werden können, soweit schrumpfen lassen, dass der Chirurg sie doch noch entfernen kann.
 

Mastdarmkrebs: Neoadjuvante Radiochemotherapie mit 5-FU

Neben ihrer wachstumshemmenden Wirkung auf Tumorzellen sorgen einige Zytostatika dafür, dass der  Tumor gegenüber einer Strahlentherapie empfindlicher wird. Das Zytostatikum 5-FU besitzt diese Eigenschaft und wird deshalb im Rahmen der Radiochemotherapie gegen Mastdarmkrebs verabreicht. Bei der Radiochemotherapie kann 5-FU alleine oder in Kombination mit Folinsäure (FA) gegeben werden.

Die Behandlung beginnt mit einer 5-FU-Infusion an fünf aufeinander folgenden Tagen, gleichzeitig erfolgt die Bestrahlung. Anschließend folgen drei Wochen Pause, bevor ein erneuter Chemotherapie-Zyklus von insgesamt 4 Wochen beginnt. In der Regel werden zwei Zyklen der Chemotherapie vor der Operation gegeben, dann folgt die Tumoroperation. Vier bis sechs Wochen nach der Operation wird die zuvor begonnene 5-FU-Chemotherapie mit vier weiteren Zyklen vervollständigt. Mehr Details zur Strahlentherapie lesen sie hier.

Neoadjuvante Kombinationschemotherapie gegen Lebermetastasen

Erscheinen Lebermetastasen einer Operation zugänglich, besteht die Möglichkeit, mittels neoadjuvanter Chemotherapie „vorzubehandeln“.  Solche eine Behandlung kann zwar erwogen werden, ist jedoch kein Standard. Anders ist die Situation bei zunächst inoperablen Metastasen, die infolge einer Chemotherapie-Vorbehandlung soweit schrumpfen könnten, dass sie doch noch operabel werden: Hier wird eine neoadjuvante Chemotherapie eindeutig empfohlen, wobei ein möglichst intensives (wirksames) Schema angewendet werden sollte.

Mögliche Schemata sind 5-FU/FA in Kombination mit Oxaliplatin (FOLFOX) oder Irinotecan (FOLFIRI). Bei gutem Allgemeinzustand kann sogar die Dreifachkombination aus 5-FU/FA, Oxaliplatin und Irinotecan (FOLFOXIRI) eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit zur Intensivierung der Therapie ist die Hinzunahme des Antikörpers Cetuximab zu einer FOLFOX- oder FOLFIRI-Therapie (mehr zum Einsatz der neuen, zielgerichteten Antikörper lesen Sie hier).

Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73.

Klinische Studien

Möglich Verbesserungen der neoadjuvanten Chemotherapien und Radiochemotherapien werden laufend weiter erforscht. Zu diesem Zweck laufen klinische Studien, an denen Patienten teilnehmen können. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt die Möglichkeiten, in einer solchen Studie aufgenommen zu werden. ...mehr