ZYTOKINE IN DER KREBSTHERAPIE

Zytokine sind Botenstoffe des Immunsystems, mit deren Hilfe insbesondere  Immunzellen untereinander kommunizieren können. Eine solche Verständigung spielt bei der Regulation und Steuerung der sehr komplizierten Immunreaktion eine wichtige Rolle. Zytokine aktivieren Immunzellen oder stimulieren deren Reifung und Vermehrung.

Dringt beispielsweise ein fremdes, krankmachendes Bakterium in den Körper ein, wird beim ersten Kontakt mit der Körperabwehr die Zytokinproduktion angekurbelt. Dadurch erhalten andere Immunzellen die Nachricht über die drohende Gefahr, Angriffszellen werden durch Zytokine angeregt und an die richtige Stelle gelockt. In gleicher Weise wirken Zytokine, wenn Schäden an Körperzellen oder Krebszellen entdeckt werden.

In der Immuntherapie gegen Krebs werden Zytokine überwiegend als unspezifische Hilfsstoffe zur Unterstützung anderer Therapien eingesetzt.

Man unterscheidet prinzipiell drei Gruppen von Zytokinen:

  • Wachstumsfaktoren des Blutbildungssystems
  • Interleukine
  • Interferone

Wachstumsfaktoren des blutbildenden Systems

Solche Wachstumsfaktoren stimulieren die Blutbildungsstätten im Knochenmark, worauf vermehrt Blutkörperchen hergestellt wird. Das ist besonders wichtig, wenn beispielsweise im Rahmen einer Chemotherapie die Anzahl der Blutzellen abzufallen droht.

Wachstumsfaktoren gibt es für verschiedenen Arten von Blutzellen: Für die Granulozyten und Makrophagen aus der Gruppe der weißen Blutkörperchen, für Erythrozyten (rote Blutkörperchen) oder für die Thrombozyten (Blutplättchen). Speziell auf das  Immunsystem wirkt hier Wachstumsfaktoren für weiße Blutkörperchen, da diese Blutzellen maßgeblich für die Immunabwehr zuständig sind. Die in der Krebstherapie genutzten heißen in der Fachsprache Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor (GM-CSF)und Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor (G-CSF).

Interleukine

Interleukine sind Immunbotenstoffe, mit deren Hilfe die Abwehrreaktionen unter den  Immunzellen gesteuert und reguliert werden. Sie aktivieren und fördern zudem die Reifung und Vermehrung von Zellen des Immunsystems. Um die verschiedenen Interleukine zu unterscheiden, hat man ihnen Nummern zugeteilt. Anfang der neunziger Jahre wurde die Behandlung mit Interleukin-2 als eine der ersten Immuntherapien gegen den Nierenzellkrebs in den USA zugelassen. Auch andere Interleukine, z.B. Interleukin-4 und Interleukin-12 werden daraufhin untersucht, ob sie für die Krebsbekämpfung eingesetzt werden können.

Interleukine werden Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung verabreicht. Oft werden sie dabei mit anderen Zytokinen, wie dem Interferon-alpha, und einer Chemotherapie kombiniert.

Die Anwendung von Interleukinen sollte gut überlegt werden, denn es können dabei zum Teil erhebliche Nebenwirkungen auftreten: Fieber, Erschöpfung, Hautausschlag, schneller Herzschlag, Gewichtszunahme und allergische Reaktionen. Derzeit ist Interleukin-2 für die Behandlung bei Nieren- und Hautkrebs zugelassen.


Interferone

Interferone sind Stoffe, die von Zellen im Rahmen einer Abwehrreaktion gebildet werden können. Aufgrund ihrer Wirkung können sie

  • das Wachstum von Tumorzellen verlangsamen;
  • das Wachstum der Blutgefäße aufhalten, die den Tumor mit Blut versorgen;
  • den Tumor veranlassen, mehr Tumorantigene zu produzieren, um so für das Immunsystem besser erkennbar und angreifbar zu sein;
  • die Schlagkraft der natürlichen Killerzellen und anderer Immunzellen erhöhen.

Anhand ihrer chemischen Struktur lassen sich die Interferone in drei Gruppen einteilen:

  • Interferon-alpha: Durch die Behandlung mit Interferon-alpha hat man klinische Verbesserungen bei einigen Formen von Blutkrebs sowie beim Haut- und Nierenkrebs festgestellt.
  • Interferon-beta: Hat weniger Bedeutung in der Behandlung von Krebserkrankungen als Interferon-alpha. Es gibt Hinweise, dass Interferon-beta auf bisher unbekannte Art die Wirksamkeit der Strahlentherapie verstärken kann. Auch hemmt Interferon-beta in Zusammenarbeit mit anderen Zytokinen die Zellteilung.
  • Interferon-gamma: Dem Interferon-gamma konnte bislang keine Wirksamkeit gegen Krebs nachgewiesen werden, und es wird derzeit bei der Krebsbehandlung nicht verwendet.

Als es in den 80er Jahren Forschern mit Hilfe der Gentechnik erstmals gelang, im Labor größere Mengen von Interferonen herzustellen, glaubten viele, nunmehr das lang gesuchte Wundermittel gegen Krebs in Händen zu halten. Man hatte beobachtet, dass Interferone die Vermehrung virusinfizierter Zellen verhindern können. Entsprechend keimte die Hoffnung, Interferone könnten auch das ungehemmte Wachstum von Tumorzellen aufhalten. Leider erfüllte sich dies nur teilweise: Zwar zeigten klinische Studien, dass Interferone die Immunabwehr gegen Tumorzellen verstärken können, nur in seltenen Fällen reichte dies jedoch aus, um die Krebserkrankungen wirkungsvoll zu behandeln.

Eine Therapie mit Interferonen kann teilweise erhebliche Nebenwirkungen verursachen, darunter Fieber, Müdigkeit, Schüttelfrost, Verwirrung, Depressionen oder Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ihr Einsatz sollte deshalb wohl überlegt sein. Derzeit kommen Interferone hauptsächlich bei der Behandlung von Hautkrebs (Malignes Melanom) und Nierenkrebs zum Einsatz.