SORGEN UM DIE OPERATION

Viele Patienten haben seit der Diagnose Ihres Darmtumors das Gefühl, mit einer Art Zeitbombe zu leben: Die Operation ist jetzt ein wichtiger Schritt, den  gefährlichen  Tumor aus dem Körper zu entfernen und das Leben schnellstmöglich wieder normal werden zu lassen. Ein solcher Eingriff ist allerdings auch verbunden mit Ängsten und Sorgen darüber, ob wirklich alles glatt gehen wird und die Probleme später nicht noch größer werden könnten.

Innere Einstellung

Viele Faktoren haben Einfluss auf das Gelingen und den Erfolg Ihrer Operation. Natürlich können Sie Lage und Größe des Tumors genauso wenig beeinflussen wie den genauen Verlauf des operativen Eingriffs. Versuchen Sie dennoch eine gute und positive Einstellung zur bevorstehenden Operation zu gewinnen. Sehen Sie Ihre Operation als ein Lebensereignis, das eine große Sorge - den Darmtumor - beseitigen kann. Interessanterweise haben wissenschaftliche Studien mit Patienten gezeigt, dass deren innere Einstellung zur Operation die anschließende Wundheilung und Erholung verbessern und beschleunigen kann. Eine gute OP-Vorbereitung ist deshalb auch eine seelische Aufgabe, mit der Sie zum Gelingen beitragen können.

Die Ärzte und Pfleger um Sie herum haben reichhaltig Erfahrung mit Operationspatienten. Bei der Wundversorgung, möglichen Schmerzen oder dem langsamen Kostaufbau nach der OP stehen sie Ihnen unterstützend zur Seite. Nehmen Sie diese Hilfe in Anspruch und machen Sie mit einer solch professionellen Begleitung das Beste aus Ihrer Situation.


Gefühl der Hilflosigkeit

Auf den Verlauf der Operation können Sie selbst keinen Einfluss nehmen, hier müssen Sie dem Können, der Erfahrung und den Entscheidungen des Operationsteams vertrauen. Manchen fällt dieses Ausgeliefertsein besonders schwer. Für Sie als Darmkrebspatient allerdings bedeutet die Operation eine Möglichkeit, nach dem ersten Schock der Diagnose jetzt gegen den bösartigen Tumor anzukämpfen. Die Aussicht auf Besserung oder Gesundung lässt dann die Sorge um Kontrollverlust oder Abhängigkeit oft in den Hintergrund treten. Bemühen Sie sich um eine vertrauensvolle Grundhaltung gegenüber Ihrem Chirurgen. Sprechen Sie mit ihm über Ihre Fragen und Zweifel. Meistens freuen sich die Ärzte über interessierte Patienten und geben bereitwillig Auskunft, auch wenn sie im Klinikbetrieb unter hohem zeitlichen Druck stehen.

Gut informierte Patienten kommen mit möglichen Nebenwirkungen oder Komplikationen einer Operation besser zurecht; auch das zeigen wissenschaftliche Studien mit Operationspatienten. Es ist zudem Ihr gutes Recht, über die Operation so viel wie möglich zu erfahren, denn schließlich handelt es sich um ein lebenswichtiges Ereignis für Sie, auf das Sie sich innerlich einstellen müssen und auch sollen. Falls Ihnen dennoch viele Dinge unklar bleiben und kein echtes Vertrauen zu Ihrem Chirurgen zustande kommt, kann das ein Signal sein, die behandelnde Klinik zu wechseln. Hier lesen Sie mehr darüber, was es bei der Therapieentscheidung zu beachten gilt.


Angst vor der Narkose

Beim heutigen Technikstand und der jahrzehntelangen Erfahrung sind Narkosefehler bei einer Operation die absolute Ausnahme. Sorgen darüber, nach dem Eingriff möglicherweise nicht mehr aufzuwachen oder während der Narkose alles hilflos miterleben zu müssen, sind zwar weit verbreitet, allerdings unbegründet.

Ein gutes Mittel gegen die Angst ist das Wissen: Erkundigen Sie sich nach dem Narkoseverfahren, das bei Ihnen angewendet werden soll. Ihr Narkosearzt, der Anästhesist, wird Sie vor der Operation besuchen. Nutzen Sie diese Gelegenheit und besprechen Sie mit ihm Ihre Fragen, damit Sie sich ein konkretes Bild von der Narkosewirkung während und nach der Operation machen können. Es gibt durchaus unterschiedliche Möglichkeiten der Anästhesie, die sich nach der Art und dem Umfang des chirurgischen Eingriffs richten. Ein beruhigendes Medikament kann Ihnen vor der Operation die Nervosität nehmen und damit spürbar helfen.

Dennoch: Eine Narkose geht nicht vollkommen spurlos an einem vorbei. Direkt im Anschluss erwartet einen typischerweise eine Art Katerstimmung: Man wacht nur langsam auf, fühlt sich matt und muss sich mit seinem Körper erst wieder zurechtfinden. Insbesondere nach großen Operationen werden Patienten vom Operationssaal direkt auf die Intensivstation verlegt, um für die erste Zeit nach dem Eingriff eine optimale Betreuung zu gewährleisten. Das könnten für Sie als Patient unbekannte und vielleicht auch unangenehme Erfahrungen sein, auf die Sie gefasst sein sollten.

Künstlicher Darmausgang

Die meisten Menschen haben Probleme bei der Vorstellung, bei einer Darmkrebsoperation einen künstlichen Darmausgang erhalten zu müssen. Neben dem ästhetischen Aspekt spielt dabei auch die Angst vor einer Geruchsbelästigung eine wichtige Rolle. Dank der heutigen Stoma-produkte sind solche Probleme allerdings gut in den Griff zu bekommen.

Manchmal ist ein künstlicher Darmausgang auch nur vorübergehend nötig. Große Dickdarmtumoren und komplizierte Operationsverhältnisse beispielsweise können den Operateur zu einem vorübergehenden künstlichen Darmausgang zwingen, ein so genanntes Entlastungs-stoma. Wie der Name es sagt, kann sich der operierte Darm dann leichter vom Eingriff erholen; nach einigen Wochen erfolgt die Rückver-legung des künstlichen Ausgangs, so dass der natürliche Verdauungs-weg wieder hergestellt ist. Mastdarmtumoren in unmittelbarer Nähe des Schließmuskels allerdings machen einen dauerhaften (permanenten) künstlichen Darmausgang unumgänglich. Erfahrung und Geschick des Operateurs sind hier von entscheidender Bedeutung. Weitere Informationen zum künstlichen Darmausgang finden Sie hier.

Wenn Sie sich Sorgen um einen künstlichen Darmausgang machen, sprechen Sie das mit dem Chirurgen offen an. Sein Wissensstand und seine Kommunikationsfähigkeit sind jetzt gefragt, um Ihnen Vertrauen und Orientierung für Ihre eigene Situation, Ihre Entscheidungen und Krankheitsbewältigung zu geben. Denn wie sonst sollen Sie sich als medizinischer Laie in dieser schwierigen Thematik zurechtfinden? Wenn möglich, informieren Sie sich bereits vor Ihrem Klinikaufenthalt so weit es geht, um dann mit Ihrem Arzt gezielter über die Möglichkeiten des künstlichen Darmausgangs, mögliche Auswirkungen und zu erwartende Pflegemaßnahmen sprechen zu können.

Muss Ihnen ein künstlichen Darmausgang angelegt werden, erhalten Sie nach der Operation noch im Krankenhaus eine Unterweisung durch einen speziell ausgebildeten Stomatherapeuten. Unter Anleitung erlernen Sie so den Umgang mit Ihrem Darmausgang. Anschließend werden Sie selbst für dessen Versorgung zuständig sein. Große Einschränkungen im Alltag oder Beruf müssen Sie nicht befürchten.

Hilfe, Tipps und Austausch mit anderen Betroffenen bietet die Deutsche ILCO, Die Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs, hier ist der Link.