ENTFERNUNG VON DARMPOLYPEN (POLYPEKTOMIE)

Darmpolypen sind die häufigste Vorstufe von Darmkrebs. Die Zellen dieser vorerst gutartigen Schleimhautwucherungen haben im Laufe der Zeit eine hohe Neigung zur bösartigen Entartung. Mit den Untersuchungen im Rahmen der Darmkrebsvorsorge können Polypen rechtzeitig diagnostiziert werden.

Wenn einmal entdeckt, sollten Darmpolypen unbedingt entfernt werden, bevor sich daraus möglicherweise ein Darmkrebs entwickeln kann. Oft ist die Polypentfernung (Polypektomie) während der Darmspiegelung möglich.


Was ist ein Darmpolyp?

Darmpolypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut. Sie bilden sich an der Darmwand und ragen ins Darminnere hinein. Darmpolypen können ganz verschiedene Formen annehmen, sehen pilz- oder polsterartig aus und sitzen entweder mit einem Stil oder breitbasig auf der Darmwand auf. Außerdem variieren Darmpolypen in Größe und Zahl – sie können sowohl einzeln als auch in Gruppen im gesamten Dickdarm auftreten; bei etwa einem Drittel der Patienten ist der Mastdarm betroffen.

In fast allen Fällen handelt es sich bei Darmpolypen um so genannte Adenome. Diese Wucherungen sind an sich noch gutartig. Während sie wachsen, können sie sich jedoch zu Darmkrebs entwickeln. Je größer sie werden, desto mehr nimmt die Gefahr der Zellentartung zu: Wenn ihre Größe einen Zentimeter beträgt, ist das Risiko, dass bereits Krebszellen vorliegen, rund ein Prozent; bei einer Polypengröße von vier Zentimeter schon etwa 20 Prozent.

Ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung haben Polypen im Darm. Dabei spielen genetische Faktoren eine Rolle: Es gibt erbliche Veranlagungen für Darmpolypen, die Betroffenen haben dann auch ein erhöhtes, familiäres Darmkrebsrisiko. Auch mit zunehmenden Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, einen Darmpolypen zu haben. Jeder fünfte, der über 60 Jahre alt ist, hat Polypen im Darm. Die westliche Lebens- und Ernährungsweise mit fett- und zuckerreiche Kost, mit Alkohol und Rauchen scheint dabei die Entstehung von Darmpolypen zu begünstigen. Untersuchungen haben gezeigt, dass in Westeuropa und Nordamerika im Vergleich zu anderen Teilen der Welt mehr Menschen von Darmpolypen betroffen sind.


Polypen erkennen

Darmpolypen erkennen - das ist eines der wichtigen Ziele der Darmkrebsvorsorge. Denn insbesondere kleinere Polypen verursachen keinerlei Beschwerden. Je größer der Polyp wird, desto eher treten unregelmäßig Symptome auf wie z.B. kleine Blutspuren im Stuhl, Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung oder Schleimabsonderungen. Mit folgenden Untersuchungen können Darmpolypen diagnostiziert werden:

  • Austastung des Mastdarms mit dem Finger: Diese Methode eignet sich gut zum Entdecken von Polypen, die im unteren Mastdarm gewachsen sind.
  • Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Okkultbluttest): Hierbei werden Stuhlproben auf verstecktes, nicht sichtbares Blut untersucht. ...mehr
  • Darmspiegelung (Koloskopie): Mit Hilfe eines flexiblen Endoskops wird der gesamte Dickdarm und Mastdarm untersucht, bei einer so genannten "kleinen Darmspiegelung" (Rektoskopie) wird nur der Mastdarm untersucht. Mit Hilfe der Darmspiegelung werden Darmpolypen mit großer Sicherheit aufgespürt und in vielen Fällen noch im selben Untersuchungsgang entfernt. Hier lesen Sie mehr zur Darmspiegelung.
  • Virtuelle Darmspiegelung: Auch mit diesem Verfahren können Darmpolypen diagnostiziert werden, allerdings ist diese Methode für kleinere Polypen weniger zuverlässig als die konventionelle Darmspiegelung. ...mehr

Die Polypektomie

Die meisten Polypen lassen sich während einer Darmspiegelung entfernen. Diesen Eingriff nennen Ärzte Polypektomie: Ein Instrument mit einer feinen Schlinge wird über den Arbeitskanal des Endoskopes ins Darminnere vorgeschoben. Diese Schlinge besteht aus dünnem Draht, sie wird um den Polypenstiel gelegt und dann zugezogen. Für einen Moment wird dabei ein Hochfrequenz-Strom durch die Drahtschlinge geleitet, wodurch aufgrund der Hitzeeinwirkung der Polyp abgeschnitten wird. Gleichzeitig verschließt die Hitze auch die durchtrennten Blutgefäße, so dass es nicht zu einer Blutung kommen kann.

Der abgeschnittene Polyp wird zusammen mit dem Endoskop aus dem Darm herausgezogen werden. Er muss zur feingeweblichen (histologischen) Untersuchung ins Labor geschickt werden. Dort wird man feststellen, ob bereits Krebszellen im Polypen vorhanden waren und ob der Polyp vollständig entfernt wurde.

Die Polypenentfernung ist nicht schmerzhaft. Zu ihrer Vorbereitung entnimmt der Arzt einige Tage vor der Darmspiegelung eine Blutprobe, um die Gerinnungswerte zu kontrollieren. Während der Darmspiegelung erhalten die meisten Patienten ein Beruhigungsmittel, das sie in einen leichten Dämmerschlaf versetzt, so dass sie ein möglicherweise unangenehmes Druckgefühl im Bauch nicht wahrnehmen.

Die meisten Polypen lassen sich bereits während derselben Darmspiegelung entfernen, bei der man sie entdeckt, - eine erneute, zweite Darmspiegelung ist dazu in der Regel nicht nötig. Sollte sich bei der Untersuchung jedoch ein größerer Polyp zeigen, bei dem eine Entfernung schwieriger erscheint, kann in diesen Fällen eine erneute, zweite Darmspiegelung zur Polypektomie geplant werden. Manchmal bleibt der Patient nach einer solchen, komplizierteren Polypentfernung zur Beobachtung stationär im Krankenhaus.


Risiken bei der Polypektomie

In der Hand eines erfahrenen Arztes ist die Polypektomie während einer Darmspiegelung eine risikoarme Behandlungsmethode. Jedoch können Komplikationen auftreten, insbesondere durch Blutungen an der Stelle, wo der Polyp entfernt wurde. Auch eine Verletzung der Darmwand dabei ist möglich.


Operation zur Entfernung von Polypen

Bei manchen Polypen ist die endoskopische Schlingenentfernung nicht möglich oder sie gelingt nur unvollständig. Vor allem breitbasige Polypen, die größer als zwei bis drei Zentimeter sind, lassen sich mit der Schlinge oft nicht komplett aus dem Darm entfernen. Sollten Anzahl, Größe oder die Art der Darmpolypen eine vollständige endoskopische Entfernung unmöglich machen, muss chirurgisch behandelt werden.

Wie man Polypen chirurgisch entfernt, hängt vom Ort ab, wo der Polyp sich im Darm befindet:

  • Polyp im Dickdarm: Während der Darmspiegelung wird die Stelle, wo der Polyp sich befindet, markiert. Hierfür kann mit einem kleinen Instrument, welches durch den Arbeitskanal des Endoskops geschoben wird, ein Metallklipp von innen an der Darmwand anbringen. Alternativ spritzt man eine dunkle Tuschelösung an dieser Stelle von innen an die Darmwand. Bei der dann anschließenden Bauchoperation erkennt der Chirurg die markierte Darmstelle und entfernt dieses Darmstück mit samt dem innen hängenden Polypen. Alternativ kann während der laufenden Operation eine Darmspiegelung erfolgen, die dem Chirugen den genauen Sitz des Polypen anzeigt.
  • Polyp im Mastdarm: Sitzt der Polyp im unteren Mastdarmdrittel, also relativ nahe am After, wird er mit Hilfe von chirurgischen Instrumenten durch den After entfernt. Dazu muss der Schließmuskel entsprechend aufgedehnt werden, ohne dass er dabei verletzt wird.

Eine moderne Technik zur Entfernung größerer Polypen im gesamten Mastdarm ist die so genannte Transanale Endoskopische Mikrochirurgie (TEM). Bei einer solchen Operation wird in Vollnarkose ein spezielles Operationsrektoskop von vier Zentimeter Durchmesser durch den After eingeführt. Mit Hilfe spezieller, endoskopischer Instrumente wird der Polyp aus der Mastdarmwand herausgeschnitten. Die Darmwand wird anschließend wieder vernäht. Durch das Operationsrektoskop sind die Sichtbedingungen auch bei hochsitzenden Mastdarmpolypen so gut, dass exakt und zuverlässig operiert werden kann.

Eine Darmoperation ist auch dann notwendig, wenn in dem entfernten Polypen hochmaligne, also besonders aggressiv wachsende Krebszellen gefunden werden (so genanntes High-risk-Karzinom). Dann nämlich liegt bereits ein gefährlicher Darmkrebs vor. Das Risiko, dass bei der vorangegangenen Polypentfernung womöglich Krebszellen im Darm zurück geblieben sein könnten, ist hier so groß, dass der betroffene Teil des Darmes bei einer anschliessenden Darmoperation entfernt werden muss. Informationen zur Operation bei Darmkrebs finden Sie hier. Werden dagegen weniger aggressive Krebszellen gefunden (so genanntes  Low-risk-Karzinom), kann auf eine Operation verzichtet werden. Allerdings ist eine baldige Kontroll-Darmspiegelung zur Nachsorge empfohlen (s.u.).


Nachsorge bei Darmpolypen

Ein Patient, bei dem bereits ein Darmpolyp festgestellt wurde, hat eine höhere Neigung, erneut Polypen zu bilden. Deshalb sind nach der Behandlung regelmäßige Kontrollen empfohlen:

  • Nach der Entfernung eines Polypen, bei dem die anschließende histologische Untersuchung Krebszellen gezeigt hat, muss bereits nach 6 Monaten eine Kontroll-Darmspiegelung erfolgen, um ein erneute, verdächtige Veränderungen im Darm schnell zu erkennen und entsprechend behandeln zu können. Bei unauffälliger Kontrolle werden die Abstände zur nächsten Darmspiegelung größer. Mehr dazu lesen Sie im Kapitel zur Nachsorge bei Dickdarmkrebs.
  • Nach der Entfernung von Polypen ohne bösartige Zellen soll die Kontroll-Darmspiegelung nach drei Jahren erfolgen. Fällt die Untersuchung negativ aus, sind weitere Kontrollen alle fünf Jahre empfohlen.