Die adjuvante Chemotherapie ist eine unterstützende Behandlungsmaßnahme, um die Rückfallrate zu verringern und damit die Chancen auf eine Heilung weiter zu erhöhen. Voraussetzung ist immer eine erfolgreiche Operation, in der zuvor der Tumor vollständig entfernt werden konnte (R0-Resektion - mehr zum Operationsergebnis lesen Sie hier).

Die adjuvante Chemotherapie soll Krebszellen abtöten, dienach der Operationeventuell noch im Körper vorhanden sind und später Rückfälle verursachen könnten. Mit Hilfe von Ultraschall oder Computer- oder Magnetresonanztomographie lassen sich solch kleinen Zellnester (so genannte Mikrometastasen) nicht nachweisen. Aus Erfahrung jedoch wissen Ärzte, dass ab einem bestimmten Krankheitsstadium das Risiko für einen Tumorrückfall erhöht ist.

Adjuvante Behandlungsprotokolle bei Dickdarmkrebs

Die adjuvante (unterstützende) Chemotherapie bei Dickdarmkrebs stützt sich auf das Zytostatikum 5-FU, kombiniert mit der Folinsäure (5-FU/FA). Die Kombinationstherapie mit 5-FU/FA plus Oxaliplatin (Kurzbezeichnung: FOLFOX) gilt mittlerweile als Standard für die adjuvante Chemotherapie bei Dickdarmkrebs.

Die Chemotherapie in der adjuvanten Situation beginnt in der Regel 6 bis 8 Wochen nach der Operation. Als gängige Behandlungspläne stehen zur Verfügung:

  • Das FOLFOX4-Schema: Am ersten Tag erhalten Sie zu Beginn eine zweistündige Infusion mit Folinsäure (FA), dazu 5-FU als so genannte Bolusgabe, das heißt in einer Injektion, die maximal fünf Minuten dauert; anschließend wird 5-FU als langsame Dauerinfusion über 22 Stunden weiter verabreicht. Zusätzlich erhalten Sie Oxaliplatin in einer zweistündigen Infusion. Am folgenden Tag wiederholt sich die Behandlung mit Folinsäure und der 5-FU-Bolusgabe plus 5-FU-Dauerinfusion, am zweiten Tag erhalten Sie jedoch kein Oxaliplatin. Anschließend gelten 12 Tage als Erholungsphase bevor ein erneuter Zyklus beginnt. Es werden 12 Zyklen durchgeführt, die Behandlung dauer ist also insgesamt 24 Wochen.
  • Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Kombination von Capecitabin mit Oxaliplatin, was man als XELOX-Schema bezeichnet: Sie erhalten 14 Tage lang morgens und abends das Medikament Capecitabin in Tablettenform. Zusätzlich erhalten Sie am ersten Tag Oxaliplatin in einer zweistündigen Infusion. In der dritten Woche erfolgt keine Einnahme. Dieser 3-wöchige Zyklus wird 8 mal wiederholt, die Behandlung dauert damit insgesamt 24 Wochen.
Quellen:Fachinformation für XELODA (Capecitabin) (http://www.fachinfo.de/FachInfo/data/fi/pdf/00/52/005254.pdf)Haller DG et al. Capecitabine Plus Oxaliplatin Compared With Fluorouracil and Folinic Acid As Adjuvant Therapy for Stage III Colon Cancer. J Clin Oncol. 2011 Mar 7. [Epub ahead of print]. doi: 10.1200/JCO.2010.33.6297

Ist eine oxaliplatinhaltige Therapie nicht möglich, so stellt die Therapie mit Capecitabin oder ein infusionales 5-FU/FA-Protokoll die beste Alternative dar:

  • Capecitabin-Monotherapie: Sie erhalten 14 Tage lang morgens und abends das Medikament Capecitabin in Tablettenform. In der darauffolgenden Woche erfolgt keine Einnahme. Dieser 3-wöchige Zyklus wird 8 mal wiederholt, die Behandlung dauert damit insgesamt 24 Wochen.
  • LV5FU2-Schema (auch: de-Gramont-Schema): An ersten beiden Tagen erhalten Sie jeweils eine zweistündige Infusion mit Folinsäure (FA), dazu 5-FU als so genannte Bolusgabe; anschließend wird 5-FU als langsame Dauerinfusion über 22 Stunden weiter verabreicht. Dann gelten 12 Tage als Erholungsphase bevor ein erneuter Zyklus beginnt. Es werden 12 Zyklen durchgeführt, die Behandlung dauert also insgesamt 24 Wochen.
  • 5-FU/Folinsäure-Schema: Sie erhalten 6 Wochen lang einmal pro Woche eine ein- bis zweistündige Infusion mit Folinsäure (FA) und dazu 5-FU als Dauerinfusion über 24 Stunden. Dann folgt eine einwöchige Therapiepause, ein Zyklus umfasst also 7 Wochen. Insgesamt werden 3 Zyklen durchgeführt, die Behandlung erstreckt sich also über 21 Wochen.
Quelle für die Information zum LV5FU2-Schema und zum 5-FU/Folinsäure-Schema:Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73.

Die Gabe von 5-FU ausschließlich als Bolus (5-FU-Bolusprotokolle) werden entsprechend der neuesten Forschungsergebnisse nur noch in Ausnahmefällen angewendet, da sie - gegenüber den 5-FU/FA-Infusionsprotokollen oder dem Capecitabin-Protokoll (s.o.) - in der Regel mit mehr Nebenwirkungen für die Patienten behaftet sind, ohne jedoch einen Behandlungsvorteil zu bieten. Zu diesen 5-FU-Bolusprotokollen gehört das so genannte

  • Mayo-Klinik-Protokoll, benannt nach der Mayo Clinic in Minnesota/USA: 1. bis 5. Tag des Chemotherapiezyklus Folinsäure (FA) während einer zweistündigen Infusion verabreicht, dazu 5-FU alleinig als Bolusgabe. Die ersten 3 Zyklen dauern jeweils 4 Wochen (5 Tage Therapie + 23 Tage Pause), die letzten 3 Zyklen 5 Wochen (5 Tage Therapie + 30 Tage Pause); Gesamtdauer: 27 Wochen.
Quelle: Schmoll, Höffgen, Possinger: Kompendium Internistische Onkologie, Teil 2, 4. Auflage, Springer-Verlag 2006
  • Ein weiteres 5-FU-Bolusprotokoll ist das so genannte NSABP-Schema, benannt nach dem National Surgical Adjuvant Breast and Bowel Project, einem Forschungsprojekt des National Cancer Institute (NCI) in den USA: Einen Tag Folinsäure als zweistündige Kurzinfusion, anschließend 5-FU alleinig als Bolusgabe. Diese Therapie erfolgt einmal pro Woche, bis insgesamt sechs Wochen lang behandelt wurde. Mit einer zweiwöchigen Erholungsphase endet der Zyklus. Insgesamt werden vier Zyklen durchgeführt, insgesamt also 24 Wochen, behandelt.

In manchen Fällen werden die Chemotherapie- Behandlungsprotokolle geringfügig verändert, insbesondere dann, wenn sich nach den ersten Zyklen herausstellen sollte, dass bei Ihnen zu starke Nebenwirkungen auftreten. In diesem Fall versuchen die Ärzte, die Dosierung der Medikamente anzupassen, oder sie wechseln auf ein anderes Behandlungsprotokoll.

Adjuvante Behandlungsprotokolle bei Mastdarmkrebs

Beim Mastdarmkrebs kommt eine adjuvante Chemotherapie in Kombination mit der Strahlentherapie zum Einsatz (Radiochemotherapie). Standard ist eine Radiochemotherapie bereits vor der Operation (als so genannte neoadjuvante Therapie) - hier lesen Sie mehr zur neoadjuvanten Behandlung. Auch als adjuvante Behandlung nach der Operation kommt die Radiochemotherapie zum Einsatz.

Eine adjuvante Radiochemotherapie beginnt in der Regel 4-6 Wochen nach der Operation des Mastdarmkrebses.

Der Patient erhält dazu eine Chemotherapie mit dem Zytostatikum 5-FU, die Hinzugabe der Folinsäure (FA) kann überlegt werden. 5-FU wird an fünf aufeinander folgenden Tagen mittels Dauerinfusion gegeben, gleichzeitig erfolgt die Strahlentherapie. Im Anschluss schließt sich eine dreiwöchige Pause an. Insgesamt laufen sechs solcher Chemotherapiezyklen, was insgesamt 24 Wochen in Anspruch nimmt; nur währen der ersten beiden Zyklen läuft parallel zur 5-FU-Infusion eine Strahlentherapie. Mehr zur Strahlentherapie beim Mastdarmkrebs lesen Sie hier.

Klinische Studien in der adjuvanten Situation

Andere Krebsmedikamente und Behandlungsprotokolle werden im Rahmen klinischer Studien für die adjuvante Chemotherapie bei Darmkrebs erprobt. Sprechen Sie mit Ihrem Onkologen über die Möglichkeiten, als Patient an einer solchen klinischen Studie teilzunehmen. Mehr zu den Zytostatika lesen Sie hier.