Mit der Erfahrung über mehrere Jahrzehnte haben sich in der modernen Tumorchirurgie erprobte und bewährte Standard-Operationsverfahren entwickelt. Chirurgen unterscheiden prinzipiell zwischen zwei Vorgehensweisen:

  • Radikale Operation: Radikal operieren bedeutet, dass nicht nur der Tumor selbst, sondern auch umliegendes, gesundes Gewebe aus dem Körper geschnitten wird.
  • Lokale Operation: Hierbei wird nur der Tumor selbst und ein dünner Randsaum gesundes Gewebe (Sicherheitsabstand) herausgeschnitten, das umliegende Gewebe bleibt unangetastet. Eine lokale, also am Ort des Tumors begrenzte Operation ist aber nur in bestimmten Fällen angezeigt, und zwar bei kleinen, wenig aggressiven Tumoren im frühen Krebsstadium.

Die lokale Operation ist zwar schonender für den Patienten, dennoch müssen die meisten Tumore radikal operiert werden, da sonst Krebszellen im Körper verblieben und es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Rückfall käme.

Radikale Tumoroperation

Bei Darmkrebs besteht immer die Gefahr, dass sich derTumor nicht nur in der Darmwand, sondern auch in die Lymphwege undLymphknoten ausbreitet. Ziel der radikalen Operation ist es, den Tumor mit großem Sicherheitsabstand und samt der dazugehörigen Lymphknoten, Lymph- und Blutgefäße aus dem Körper zu entfernen, um auch einem Tumorrückfall an gleicher Stelle (Lokalrezidiv) bestmöglich vorzubeugen.

Die Lymph- und Blutgefäße verlaufen im Wesentlichen parallel, der Chirurg orientiert sich beim Heraustrennen des Darmteils an der Blutgefäßversorgung.

Die radikale Operation ist ein wichtiger Standard in der Tumorchirurgie und bietet die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Tumorentfernung. Dabei ist es oft nicht leicht, bereits vor der Operation exakt vorauszusagen, wie viel Darm tatsächlich wegoperiert werden muss, denn nicht immer ist die Blutversorgung des Darmes bei jedem Patienten gleich. Auch könnte der Tumor gerade auf einer Grenzlinie zwischen zwei Darmabschnitten liegen, wobei der Chirurg die genaue Lage erst während der Operation übersehen kann und dann entscheidet, welche Art der Darmentfernung die beste Lösung und Sicherheit gewährleistet.

Grob unterteilt entwickelt sich die radikale Operation nach den folgenden Schritten:

  • Erst unterbindet der Chirurg die Blut- und Lymphgefäße, die mit dem Tumor in Verbindung stehen. Kurz darauf wird auch der tumortragende Darmabschnitt vom gesunden Darm abgetrennt. Damit sind dem Krebs bereits alle wichtigen Wege für eine Streuung abgeschnitten.
  • Erst jetzt beginnt der Chirurg vorsichtig das betroffene Darmstück herauszulösen, ohne dabei den Tumor selbst grob anzufassen. Der Darmabschnitt wird schließlich samt den anhängenden Lymph- und Blutbahnen aus dem Bauch herausgehoben.

Diese Technik bezeichnen Ärzte als "No-Touch"-Technik, übersetzt: "keine Berührung". Damit soll verhindert werden, dass der Tumor wären der Operation zerbricht oder aufreißt und womöglich sich auf diesem Wege Krebszellen in der Bauchhöhle verteilen können.

Radikale "En-bloc"-Operation

Gut geschulte, erfahrene Chirurgen können selbst große Darmtumoren noch radikal entfernen, selbst wenn diese bereits bis in benachbarte Organe vorgedrungen sind. Dazu werden – wenn operationstechnisch möglich – auch mehrere Organe und Organteile "en bloc", d.h. zusammenhängend als Ganzes herausgelöst. Auch hier versucht man, den großen Tumor möglichst nicht anzuschneiden, aufzureißen oder auf andere Art zu verletzten, um einer Krebszellaussaat während der Operation vorzubeugen; die Schnittführung verläuft dazu in sicherer Entfernung zum Tumor.

Lokale Tumoroperation

Die lokale Tumorentfernung ist zwar weit schonender als eine radikale Operation, sie ist aber nur in ausgewählten Fällen vertretbar. Sie erfolgt auf zwei unterschiedlichen Wegen:

  • Im Bereich des Dickdarms mit Hilfe der Darmspiegelung, wobei bösartig entartete Polypen mittels Polypektomie entfernt werden.
  • Im Bereich des Dickdarm mittels begrenzter Darmentfernung durch einen Bauchschnitt oder mit Hilfe der Bauchspiegelung.
  • Im Bereich des Mastdarms mit Hilfe der Polypektomie oder der Transanalen Enoskopischen Mikrochirurgie, bei der durch den After kleine Mastdarmtumoren aus der Darmwand geschnitten werden.

Nach der lokalen Tumorentfernung wird der bösartige Polyp oder kleineDarmtumor im Labor feingeweblich untersucht. Hier entscheidet sich letztendlich, ob die lokale Tumoroperation tatsächlich ausreichend ist und nicht doch noch radikal nachoperiert werden muss. Eine alleinige lokale Operation ist nur in der so genannten "Low-risk"-Situation zulässig:

  • Ein frühes Krebsstadium, in dem die Krebszellen nur in der Darmschleimhaut zu finden sind (T1)
  • Der Tumor ist maximal 3 cm groß
  • Keine Krebszellen in den Lymph- oder Blutgefäße zu erkennen
  • Die Krebszellen haben einen niedrigen Malignitätsgrad (Grading G1 oder G2), d.h. sie wachsen wenig aggressiv
  • Die Abtragungsränder des Polypen/des Darmtumors sind frei von Krebszellen, also Entfernung "im Gesunden" (der Tumor wurde mit einem Sicherheitsabstand von mind. 1 mm entfernt)
Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73.doi: 10.1055/s-2008-1027700.