Etwa ein Drittel aller Patienten mit Darmkrebs hat zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen in anderen Organen. Am häufigsten findet man sie in der Leber.

Je nachdem, wie ausgedehnt der Befund ist, gibt es die Chance, Tochtergeschwülste durch eine Operation, oder örtlich zerstörende Verfahren zu bekämpfen. Es ist heute auch möglich, Metastasen in der Leber oder der Lunge zu operieren. Betroffene Patienten können sich hierzu an Kliniken mit besonders viel Erfahrung auf dem Gebiet der Metastasenbehandlung wenden.

In einigen Fällen kann durch das Entfernen der Metastasen eine Heilung erreicht werden. Wenn dies nicht mehr möglich ist, kann die Zerstörung oder Entfernung von Lebermetastasen das Leben verlängern. Dieses Vorgehen ist einer alleinigen Chemotherapie vorzuziehen.

Welche Therapie bzw. Kombination von verschiedenen Therapiemethoden in Frage kommt, muss individuell entschieden werden. Sprechen Sie mit Ihren Ärzten über alle Details, fragen Sie nach den Chancen und Nebenwirkungen der einzelnen Methoden und reden Sie mit, wenn es darum geht, was für Sie am sinnvollsten ist. Wir möchten Ihnen hier einen Überblick geben zu den Standardmethoden und neueren Möglichkeiten zur Behandlung von Lebermetastasen.

Metastasen-Operation

Beim metastasierten Darmkrebs unterscheidet manzwischen:

1. synchroner Metastasierung, das heißt, die Metastasen sind bereits bei der Erstdiagnose vorhanden. In diesem Fall kann die Entfernung der Lebermetastasen auch vor der Darmoperation oder gleichzeitig mit dieser vorgenommen werden. Beim Rektumkarzinom, dem sogenannten Mastdarmkrebs, kann um Tumor und Metastasen besser operieren zu können eine sogenannte neoadjuvante Radiochemotherapie vorgeschaltet werden. Die Therapiestrategie bei synchroner Metastasierung ist stark von der individuellen Situation abhängig.

2. metachroner Metastasierung, das heißt, die Metastasen entwickeln sich erst zu einem späteren Zeitpunkt und, können beispielsweise auch mit einem Rückfall nach erfolgreicher Erstbehandlung des Darmtumors auftreten.

Die operative Entfernung von Leber- oder auch Lungenmetastasen ist nur dann sinnvoll wenn auch eine Operation des Darmtumors durchgeführt wird bzw. wurde (mehr zur Operation finden Sie hier). Voraussetzung für eine Operation von Lungen- oder Lebermetastasen ist unter anderem, dass keine weiteren nicht-operablen Metastasen in anderen Organen vorhanden sind und dass nach der Operation noch ausreichend funktionsfähiges Leber- bzw. Lungengewebe vorhanden ist. Zudem müssen die vorhandenen Metastasenherde prinzipiell einer Operation zugänglich sein. Auch der allgemeine Gesundheitszustand spielt bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation eine Rolle.

Die Erfolgschancen sind am besten, wenn der Chirurg die Metastasen vollständig entfernen kann. Im Falle, dass Leber- und Lungenmetastasen gleichzeitig vorhanden sind, können diese in zwei getrennten Operationen entfernt werden. Die Prognose und der Erfolg der Behandlung hängen insgesamt vom Ausmaß der Metastasierung und von der Größe und Ausbreitung des ursprünglichen Darmtumors ab.

In vielen Fällen kommt es leider vor, dass sich nach einer Operation neue Lebermetastasen, so genannte Rezidive, bilden. Selbst dann ist eine zweite Operation an der Leber möglich, die auch wieder eine Chance auf Heilung bieten kann.

Eine Chemotherapie vor der Operation kann dazu dienen, zunächst inoperable Lebermetastasen soweit zu verkleinern, dass eine Operation doch noch möglich wird.

Regionale oder systemische Chemotherapie

Je mehr Lebermetastasen sich bereits gebildet haben, desto schwieriger wird eine Metastasen-Operation. Wenn die Leber sehr stark befallen ist oder die Metastasen operativ schlecht zu erreichen sind, ist eine chirurgische Entfernung der Tochtergeschwülste nicht möglich. In diesem Fall erhalten die Patienten bevorzugt eine systemische Chemotherapie. Zeigt diese nicht den erwarteten Erfolg, kann eine regionale Chemotherapie zur Behandlung der Lebermetastasen in Frage kommen. Die systemische oder regionale Chemotherapie kann die möglichen Tumorbeschwerden lindern und es besteht auch eine Chance, dass sich Metastasen zurückbilden.

  • Bei der systemischen Chemotherapie bekommt der Patient die Krebsmedikamente (Zytostatika) in eine Vene am Arm injiziert. In manchen Fällen geschieht dies über einen speziellen Zugang - ein Portsystem - in einer zentralen Vene im Brustbereich. Die Medikamente gelangen so über den normalen Blutweg im Kreislauf zu den Tumorzellen. Einige Chemotherapeutika werden in Tablettenform eingenommen.
  • Entscheidet man sich für eine regionale Chemotherapie, wird dem Patienten vom Chirurgen in Narkose ein so genanntes Leber- Pumpen-System unter die Haut im Bereich der Leber gesetzt. Der Arzt kann dann ein Zytostatikum durch die Haut in die Infusions-Pumpe injizieren, das Medikament gelangt über einen Katheter direkt in die Leberarterie und weiter in die Leber, wo es auf die Metastasen wirken kann. Der Vorteil der regionalen Therapie ist, dass die Medikamente konzentriert in die Leber gelangen und dort entsprechend stark wirken können. Dafür ist die regionale Therapie aufwändiger als die systemische Behandlung: Das Infusionspumpen-System muss eingesetzt werden, technische Probleme können auftreten und es kann zu Blutungskomplikationen kommen. Ein Nachteil der regionalen Chemotherapie ist, dass sie auf möglicherweise noch nicht entdeckte Metastasen außerhalb der Leber keine Wirkung hat - im Gegensatz zur systemischen Therapie. Lesen Sie hier mehr zur Chemotherapie und Zytostatika bei Darmkrebs.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Chemotherapie vor einer geplanten Metastasen-Operation. Man nennt dies neoadjuvante Chemotherapie. Sie soll zunächst inoperable Metastasen verkleinern, bevor man versucht, sie herauszuoperieren. Zudem gibt es Hinweise, dass sich dann die Prognose nach der Metastasen-Operation verbessert. Sprechen Sie mit Ihrem Onkologen über die Möglichkeiten in Ihrem Fall.

Lokal ablative Verfahren

Verfahren mit örtlicher Gewebezerstörung (lokal ablative Verfahren) können eingesetzt werden, wenn sich Lebermetastasen nicht chirurgisch entfernen lassen oder der Allgemeinzustand eines Patienten eine Operation nicht zulässt. Sie können aber auch in Kombination mit einer Operation durchgeführt werden.

Zu den empfohlenen Ablationsverfahren gehören hitzebasierte (thermische) Verfahren sowie moderne schonende Bestrahlungstechniken (hochkonformale, hypofraktionierte Bestrahlungen). Als thermische Ablationsverfahren kommen Radiofrequenzablation (RFA) und Mikrowellenablation (MWA) zum Einsatz. Bestrahlungstechniken sind die Hochpräzisionsstrahlentherapie (stereotaktische Bestrahlung, abgekürzt SBRT) und die lokale Kurzdistanz-Strahlentherapie (Brachytherapie). Man kann davon ausgehen, dass die genannten Verfahren in ihrer Wirkung vergleichbar sind. Welche Behandlungsmethode im Einzelfall eingesetzt wird, hängt von der Lage der Metastasen oder ihrer Nähe zu wichtigen Blutgefäßen ab.

Die Radiofrequenzablation (RFA) ist das heute am meisten verwendete thermische Ablationsverfahren. Bei dieser Methode schieben die Ärzte unter Ultraschall-, Computertomographie- oder Magnetresonanztomographie-Kontrolle eine Nadel-Elektrode bis in die Mitte der Metastase vor. Mittels Strom wird dann in der Sonde eine hohe Temperatur erzeugt, so dass die Tumorzellen abgetötet werden. Auch bei einer Mikrowellenablation (MWA) wird das Tumorgewebe durch Erhitzen zerstört. Ein Vorteil der RFA und der MWA ist, dass sie wiederholt durchgeführt werden können.

Für alle anderen Ablationsverfahren liegen weniger Daten vor.

Die stereotaktische Bestrahlung (SBRT) ist ein Verfahren, das modernste Techniken der Bestrahlungsapplikation und -planung benötigt. Aussagekräftige Untersuchungen, in denen die SBRT mit einer operativen Lebermetastasenentfernung oder einer RFA verglichen wurden, liegen nicht vor. [t1Bei der Kurzdistanz-Strahlentherapie (Brachytherapie) wird eine quasi punktförmige Strahlenquelle ferngesteuert innerhalb des Tumorherdes platziert. Um dies zu ermöglichen, wird zuvor unter Computertomographie- oder Magnetresonanztomographie-Kontrolle ein Applikator in den Tumor eingebracht. Bei dieser Therapiemethode wird die Metastase sozusagen von innen bestrahlt. Nach der Behandlung wird die Strahlenquelle wieder entfernt.

Die selektive interne Strahlentherapie (SIRT) kann zur Behandlung von Lebermetastasen bei denjenigen Darmkrebspatienten eingesetzt werden, für die keine andere Behandlungsmöglichkeit in Frage kommt. Sie wird auch parallel zu einer Chemotherapie angewendet. Bei der SIRT handelt es sich um eine spezielle Form der Bestrahlung von innen: Über einen Katheter, der über die Leistenarterie in die Arterie der Leber vorgeschoben wird, verabreichen die Ärzte radioaktiv beladene Partikel (Mikrosphären). Diese werden mit dem Blutstrom in die Metastasen geschwemmt, wo sie in den kleinsten Gefäßen hängen bleiben. Durch die Verstopfung (Embolisation) der kleinen Blutgefäße wird einerseits die Durchblutung der Metastasen behindert, andererseits wirkt die Strahlung aus den Mikrosphären direkt auf das Tumorgewebe. Die freigesetzten Strahlen dringen maximal einen Zentimeter in das umliegende Gewebe ein, so sind benachbarte Strukturen oder Organe von der Bestrahlung kaum betroffen sind.

Mehr Informationen zu SIRT finden Sie hier.

Bei der Kältetherapie (Kryotherapie) wird Metastasengewebe zerstört, indem man es sehr schnell auf Temperaturen zwischen minus 30 °C und minus 180 °C abkühlt. Dadurch bilden sich Eiskristalle in den Tumorzellen, die in der Folge zum Zelltod führen. Als Kühlmedium benutzen die Ärzte flüssigen Stickstoff, der über eine Sonde direkt an die Metastase geleitet wird.

Bei der laserinduzierten interstitiellen Thermotherapie (LITT) werden Metastasen mithilfe von energiereichem Laserlicht zerstört. Zu diesem Verfahren liegen derzeit nur so wenig Daten vor, dass es außerhalb von klinischen Studien nicht durchgeführt werden sollte. Dasselbe gilt für die irreversible Elektroporation (IRE), bei der die Zellmembran der Tumorzellen mittels kurz-gepulster, starker elektrischer Felder geschädigt und so die Zellen zum Absterben gebracht werden.

 


Dieser Text entstand mit fachlicher Unterstützung des Krebsinformationsdiensts (KID).
Quelle:
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 2.0, 2017, AWMF Registrierungsnummer: 021/007OL, http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/kolorektales-karzinom/