Die Naturheilkunde fördert die Genesung, indem sie die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Im gleichen Sinne werden Begriffe wie Komplementärmedizin, Ganzheitsmedizin oder Alternative Medizin benutzt.

Leider nutzen viele Geschäftemacher das positive Image der Naturmedizin, um aus den Ängsten und Sorgen der Patienten Kapital zu schlagen. Ein Laie kann zwischen seriösen und nutzlosen (oder gar gefährlichen) Anwendungen nicht unterscheiden. Ziehen Sie deswegen immer einen erfahrenen Arzt zu Rate. Er wird Ihnen keine Anwendung verwehren, die dazu führen könnte, dass Sie sich wohler oder besser fühlen.

Zu den seriösen Anwendungen der Naturheilkunde bei der Behandlung von Darmkrebs zählen die Mistel-Therapie, Selen-Präparate und die Hyperthermie bzw. Wärmebehandlung.

Misteltherapie

Der Anthroposoph Rudolf Steiner (1861-1925) hielt die Mistel, einen kugeligen Strauch, der als Schmarotzer in der Krone bestimmter Baumarten lebt, für die geeignete Heilpflanze gegen Krebserkrankungen. Sie helfe, die vier Wesensglieder des Menschen - Körper, Lebenskräfte, Seelentätigkeiten und geistige Tätigkeiten -wieder in Harmonie zu bringen.

Die tatsächliche Wirksamkeit der Mistel ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen. Man konnte Substanzen nachweisen, die auf das Immunsystem und die Krebszellen positiv einwirken. Die so genannten Lektine (zuckerhaltigen Eiweiße) fördern die Ausschüttung von Endorphinen(Botenstoffe des Gehirns), die antidepressiv und schmerzlindernd wirken. Aus einigen klinischen Studien gibt es Hinweise darauf, dass die gesamte Lebensqualität der Patienten durch die Misteltherapie verbessert wird. Rund die Hälfte der Krebskranken, die Mistelpräparate erhalten, brauchen weniger Schmerz- und Beruhigungsmittel und leiden nicht so stark unter den Nebenwirkungen der Krebstherapie.

Daher wird die Misteltherapie hauptsächlich als Nach- oder Zusatzbehandlung zur konventionellen Krebstherapie angewendet, um Nebenwirkungen zu mindern und Schmerzen, Ängste und Depressionen zu lindern. Manchmal werden jedoch auch hohe Dosierungen eingesetzt, um Tumorzellen direkt zu schädigen. Der wissenschaftliche Nachweis dafür steht jedoch noch aus.

Selen-Präparate

Der Einsatz von Selen bei der Therapie von Krebs ist unter Experten umstritten. Die Befürworter dieser Therapie verordnen Selen während einer Strahlen- oder Chemotherapie mit dem Ziel, die Nebenwirkungen auf gesunde Zellen zu vermindern. Denn das Spurenelement Selen aktiviert ein Enzym, das Blutzellen schützt. Der normale Bedarf von Selen liegt bei rund 0,1 Milligramm pro Tag. In der Therapiephase verordnen manche Ärzte 0,2 bis 0,4 Milligramm (200 bis 400 Mikrogramm) pro Tag in Form von Trinkampullen oder Selenhefe-Tabletten.

Hyperthermie (Wärmebehandlung)

Die Hyperthermie ist eine Ergänzung zur Bestrahlung bei Mastdarmkrebs. Die Körperregionen werden kurz vor oder nach der Bestrahlung zusätzlich mittels Mikrowellen auf 40 bis 42 Grad Celsius erwärmt. Durch diesen "Wärmestress" soll erreicht werden, dass Tumorzellen empfindlicher auf die Bestrahlung reagieren, also schneller zu Grunde gehen. Die Wärmetherapie soll darüber hinaus noch einen weiteren positiven Effekt haben, nämlich die körpereigene Immunabwehr gegen den Tumor verstärken. Die Erfahrungen der letzten Jahre geben Anlass zur Hoffnung, dass die Wärmebehandlung einen positiven Einfluss auf den Erfolg der Strahlentherapie haben könnte.

Buntes Allerlei - ohne Gewähr!

Die Wirkung der folgenden Naturheilmittel gegen Krebs ist nicht bewiesen, ihre Anwendung aber weitgehend ungefährlich. Es sei denn, Sie verschwenden mit diesen Behandlungen wertvolle Zeit! Lassen Sie sich auf keinen Fall von (falschen) Versprechungen in Sicherheit wiegen und von einer konventionellen Krebstherapie abhalten!

  • Apotheke Gottes: Schlagwort von Maria Treben, die damit vor allem Heilpflanzen meint, die angeblich gegen Krebs wirken.
  • Hildegard-Medizin: Mittelalterliche Heilkunde, gegründet von Hildegard von Bingen, die sich aus natürlichen Zutaten zusammensetzt. Von Aalgalle bis zur Veilchensalbe.
  • Rote Beete: Dieses Gemüse soll die Zellen besser mit Sauerstoff versorgen und den Krebs damit bekämpfen. Wissenschaftlich gibt es dafür keinen Anhaltspunkt.
  • Enzyme: Sie sollen direkt Krebszellen zerstören können. Theoretisch ist das möglich, doch muss hier noch weiter geforscht werden. Manchmal sind Enzyme auch Bestandteil einer zweifelhaften Krebsdiät, wie zum Beispiel der Gonzalez-Diät.

Sollten Sie Interesse an einer dieser Methoden haben, fragen Sie immer Ihren Arzt!

Dies gilt enenso für die folgenden Mitteln: Kombucha, Jomol, Eleutherokokk, Krallendorntee, Antimalignocyt, Carcivieren, Ukrain, Pestwurz, Bamfolin. Frischzellentherapie, Zytoplasmatische Therapie (xenogene Peptide), Factor AF 2 ®, Polyerga ®, Thymuspräparate, Aktiv-spezifische Immuntherapie ASI, Autologe Tumortherapie nach Klehr, Immuno-augmentative Therapie IAT, Autohomologe Immuntherapie AHIT nach Kief, Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie SMT, Neuraltherapie, Petrol (Naphta-B), Furfurol, Erdstrahlen und Wasseradern, Eiserne Regeln nach Hamer, Recanostat Comp.

Zum Weiterlesen

Handbuch Naturheilkunde, Volker Schmiedel, Matthias Augustin, Haug Verlag Heidelberg 1997

Links:

Zum Herunterladen: Bröschüre der Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V."Komplementäre Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen"

Mistel und MisteltherapieInformation zur Misteltherapie im Heilpflanzenlexikon beim Gesundheitsportal Omneda