Das Stadium II zählt noch als Frühstadium. Auch hierbei ist die Rate der Patienten, die durch die Operation vollständig geheilt werden, sehr hoch. Zur Einschätzung der Heilungsaussichten gibt man die Fünfjahres-Überlebensrate an: Von den Patienten mit Stadium II leben nach fünf Jahren noch 70-87 Prozent. Der Tumor ist in diesem Stadium noch auf die Darmwand beschränkt, hat bereits alle Schichten der Darmwand durchdrungen und unter Umständen auch benachbarte Organe oder Strukturen befallen. Lymphknoten sind noch nicht befallen, ebenso wenig sindMetastasen vorhanden.

Quellen:Langner C, Vieth M. Perineurale Invasion – ein unterschätzter prognostischer Marker bei Karzinomen des Gastrointestinaltrakts. Z Gastroenterol, Dez. 2010;48(12):1405-1406. doi: http://dx.doi.org/10.1055/s-0029-1245669
Cunningham D et al. Colorectal cancer. Lancet. 2010 Mar 20;375(9719):1030-47. doi: 10.1016/S0140-6736(10)60353-4Tumorzentrum München: Manual Gastrointestinale Tumoren - Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge, 8. Auflage 2010Wittekind C, Meyer HJ (Hrsg.): TNM-Klassifikation maligner Tumoren, 7. Auflage 2010, Wiley-Blackwell

Wie beim Stadium I hängen auch in diesem Fall die Heilungschancen entscheidend von der Operation und der Erfahrung des Chirurgen ab. Es empfiehlt sich, sich eine Klinik zu suchen, die über einen auf Darmkrebsoperationen spezialisierten Chirurgen verfügt. Er wird nicht nur den gesamten Darmtumor plus einem wichtigen Sicherheitsabstand, sondern auch die benachbarten Lymphknoten vollständig entfernen. Wenn die Operation nicht fachmännisch hochwertig durchgeführt wird, steigt die Gefahr, dass der Tumor zurückkehrt.

Dickdarm- und Mastdarmkrebs werden im Stadium II unterschiedlich behandelt:Während beim Mastdarmkrebs zusätzlich eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie (vor oder nach der Operation) empfohlen ist, wird beim Dickdarmkrebs im Stadium II zunächst operiert und gegebenenfalls (insbesondere beim Vorliegen bestimmter Risiko-faktoren) eine Chemotherapie angeschlossen.

Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73. doi: 10.1055/s-2008-1027700.

Therapie im Stadium II

TNMT 3-4, N0, M0
Was bedeutet das?

Größerer Tumor, der sich aber noch auf seinen Entstehungsort beschränkt. Er ist in alle Schichten der Darmwand eingedrungen und hat (bei T4-Tumoren) auch benachbarte Organe oder Strukturen befallen, Lymphknoten sind nicht befallen (N0), es gibt keine Metastasen (M0).

Quelle:
Wittekind C, Meyer HJ (Hrsg.): TNM-Klassifikation maligner Tumoren, 7. Auflage 2010, Wiley-Blackwell
Therapie bei Dickdarmkrebs

Immer Operation. Im Anschluss an die Operation kann eine Chemotherapie durchgeführt werden (adjuvante Therapie), insbesondere wenn das Rückfallrisiko erhöht ist. Eventuell Teilnahme an klinischen Studien mit neuen Kombinationen von Medikamenten, die bereits klinisch erprobt sind. Regelmäßige Nachsorge erforderlich.

Therapie bei Mastdarmkrebs

Immer Operation. Vor der Operation Strahlentherapie oder kombinierte Strahlen- und Chemotherapie (neoadjuvante Therapie). Alternativ kombinierte Strahlen- und Chemo-therapie nach der Operation (adjuvante Therapie). Eventuell Teilnahme an klinischen Studien mit neuen Kombinationen von Medikamenten, die bereits klinisch erprobt sind. Regelmäßige Nachsorge erforderlich.

Bei Dickdarmkrebs kann eine Chemotherapie in Betracht gezogen werden

Beim Dickdarmkrebs im Stadium II steigt im Vergleich zum Stadium I das Risiko, dass nach einer Operation wieder neue Tumore wachsen. Statistisch gesehen erleidet jeder fünfte Patient des Stadiums II irgendwann einen Rückfall. Um das Rückfallrisiko zu verringern, kann an die Operation eine Chemotherapie angeschlossen werden (adjuvante Chemotherapie). Ihr Nutzen ist jedoch nur klein. In jedem Fall sollte Ihr Arzt die Vorteile und Risiken einer solchen Therapie mit Ihnen besprechen.

In Fällen, in denen Faktoren vorliegen, die auf ein erhöhes Rückfallrisiko hindeuten, beispielweise bei relativ großem Darmtumor oder erschwerten Operationsbedingungen sollte eine Chemotherapie erwogen werden. Sprechen Sie Ihren Arzt dann darauf an, ob Sie nicht an einer klinischen Studie teilnehmen können, die die Wirkung der Chemotherapie bei Patienten im Stadium II weiter untersucht. Informationen zur Chemotherapie finden Sie hier.

Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73. doi: 10.1055/s-2008-1027700.

Bei Mastdarmkrebs Radiochemotherapie empfohlen

Bei Patienten mit Mastdarmkrebs im Stadium II gehört eine Strahlentherapie oder eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie vor der Operation (neoadjuvante Therapie) zur Standardbehandlung. Sie soll den Tumor verkleinern bzw. die Menge des gesunden Gewebes, das bei der Operation mit dem Tumor entfernt werden muss, verringern. Dies kann dazu dienen, den Schließmuskels zu erhalten und einen künstlichen Darmausgang zu vermeiden. Außerdem kann es die Voraussetzungen für eine vollständige Tumorentfernung und damit einer Heilung verbessern. In Fällen, in den die Operation der erste Schritt war, wird empfohlen, eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie im Anschluss an die Operation (adjuvante Therapie) durchzuführen.

Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73. doi: 10.1055/s-2008-1027700.

Nachsorge ist wichtig

Bei etwa jedem fünften Darmkrebskranken des Stadiums II kehrt die Krebserkrankung trotz erfolgreicher Therapie wieder. Je früher dies erkannt wird, desto erfolgversprechender kann erneut therapiert werden. Daher sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen unverzichtbar: In der Regel sollte alle sechs Monate eine Kontrolluntersuchung stattfinden, eine Untersuchung auf Metastasen etwa ein Jahr nach Beendigung der Therapie.

Bei Dickdarmkrebs wird nach drei Jahren eine komplette Darmspiegelung empfohlen, bei Mastdarmkrebs zusätzlich alle sechs Monate eine Mastdarmspiegelung (Rektoskopie).