Neuere Krebsmedikamente zielen auf molekulare Schlüsselprozesse in Zellen, die bei einer Krebserkrankung gestört sind. Anders als bei der Chemotherapie oder der Strahlentherapie richten sich diese Wirkstoffe gegen spezifische Angriffspunkte, die bevorzugt oder vermehrt in Tumorzellen vorkommen. Stark belastende Nebenwirkungen, wie sie bei einer Chemotherapie auftreten können, werden so weitestgehend vermieden oder erheblich reduziert. In der Fachsprache nennt man diese Angriffspunkte "Targets" (von engl. target = Ziel) und deshalb wird diese Form der Therapie auch als "targeted therapy", auf Deutsch "zielgerichtete" oder "gezielte" Therapie bezeichnet. Auch der Begriff "molekulare Therapie" wird verwendet.Zu den zielgerichteten Wirkstoffen gehören beispielsweise Arzneistoffe, die die Neubildung von den Tumor versorgenden Blutgefäßen hemmen (Stichwort "Anti-Angiogenese") oder das unkontrollierte Wachstum von Tumorzellen blockieren (Stichwort "Wachstumsblockade"). Gezielte Krebstherapien werden häufig in Kombination mit einer herkömmlichen Chemotherapie oder auch in Kombination mit einer Strahlentherapie eingesetzt. Bei der Behandlung von (fortgeschrittenem) Darmkrebs haben bisher drei zielgerichtete Wirkstoffe Eingang in die klinische Praxis gefunden. Dies sind die monoklonalen Antikörper Bevacizumab (Handelsnahme Avastin®), Cetuximab (Handelsnahme Erbitux®) und Panitumumab (Handelsnahme Vectibix®).