Es ist heute nicht ungewöhnlich, dass sich Krebspatienten eine zweite ärztliche Meinung einholen möchten, um die wichtigen Entscheidungen für ihre Therapie bestmöglich fällen zu können.   

Wichtig: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihr Vorhaben. Ein Arzt, der Ihnen das übel nimmt und sich womöglich gekränkt zeigt, weil Sie zusätzlich einen weiteren Fachmann zu Rate ziehen wollen, ist vielleicht nicht der Richtige für Sie. Klären Sie auch unbedingt die Möglichkeiten einer Kostenübernahme mit Ihrer Krankenkasse. Viele Krankenkassen bieten eigene Verfahren zur Einholung einer Zweitmeinung und weitere Informationsmöglichkeiten an.

In einigen Situationen bei Darmkrebs ist der nächste, bestgeeignete Therapieschritt nicht immer eindeutig festzulegen. Gerade dann kann es wichtig sein, sich möglichst bei mehreren Ärzten oder Kliniken zu informieren, welcher Behandlungsweg in einem solchen Fall angeraten ist. Zu solchen nicht eindeutigen Situationen bei Darmkrebs gehören unter anderem:

  • Fortgeschrittener Darmkrebs mit mehreren Metastasen  bzw. Metastasen in mehreren Organen (so genannte oligometastasierte Erkrankung)
  • bereits bei der Diagnosestellung von Darmkrebs liegt eine metastasierte Erkrankung vor
  • Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom), ganz besonders Mastdarmkrebs im mittleren und unteren Abschnitt, also nahe dem Darmausgang
  • Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom), welcher bereits vollständig durch die Darmwand hindurch gewachsen und womöglich in umliegendes Gewebe eingewachsen ist
  • Dickdarmkrebs im Stadium II (örtlich fortgeschrittener Tumor ohne Nachweis von Lymphknotenbefall)
  • Ein Rückfall (Rezidiv) von Darmkrebs oder das Auftreten eines zweiten Tumors an anderer Stelle im Darm

Mit dem Service Qualifizierte Zweitmeinung hat die Felix Burda Stiftung ein System entwickelt, um Darmkrebspatienten beim Einholen einer qualifizierten Zweitmeinung zu unterstützen.

Mögliche Gründe für das Einholen einer Zweitmeinung

  • wenn bei Ihnen mehrere Behandlungsmöglichkeiten in Frage kommen, die Situation also nicht eindeutig zu beurteilen ist (siehe oben)
  • wenn Sie unsicher sind, welche der angebotenen Therapiemöglichkeiten die richtige für Sie ist
  • wenn Sie unsicher sind, ob die Empfehlungen Ihres Arztes der für Sie besten Behandlung entsprechen
  • wenn Ihr behandelnder Arzt kein Spezialist für Krebserkrankungen ist, und Sie sich daher nicht sicher sind, ob seine Kenntnisse ausreichen, um die besten Therapieempfehlungen zu geben
  • wenn das Vertrauen zu Ihrem Arzt getrübt ist, weil er Ihnen zu wenig erklärt, oder Sie Probleme haben, mit ihm über Ihre Ängste und Sorgen zu reden
  • wenn Sie von Therapiemöglichkeiten erfahren haben, mit denen Ihr Arzt nicht vertraut ist, oder Sie Probleme haben, mit ihm darüber zu sprechen
  • wenn Sie sich über neue Behandlungsansätze informieren wollen, die sich noch im Versuchsstadium befinden, und Sie deshalb mit einem Arzt sprechen möchten, der mit klinischen Studien bereits Erfahrung hat.

Eine zweite Meinung können Sie sich am besten in einer Klinik holen, die über eine interdisziplinäre Tumorkonferenz verfügt.Hier beurteilen alle beteiligten Ärzte (Gastroenterologe, Chirurg,Radiologe,Internist) gemeinsam welches in Ihrem Fall die beste Therapie ist. Es kommen sämtliche Universitätskliniken und zertifizierte Darmkrebszentren in Frage. Ärzte für eine zweite Meinung könnten - neben Ihrem Hausarzt - ein Chirurg, ein Facharzt für Gastroenterologie (Magen-Darm-Spezialist) oder ein niedergelassener Onkologe (Krebsspezialist) sein. Auch die deutschen Tumorzentren bieten gute und aktuelle Informationen zur modernen Krebstherapie an; hier der Link zu den deutschen Tumorzentren.

 


Dieser Text entstand mit fachlicher Unterstützung des Krebsinformationsdiensts (KID).