Darmkrebs im Stadium IV bedeutet ein fortgeschrittenes Stadium. Der Krebs hat bereits Absiedlungen (Metastasen) in anderen Organen gebildet. Eine Heilung ist eher die Ausnahme als die Regel.

Im fortgeschrittenen Stadium IV wird eine Operation des Darmtumors und der Metastasen dann durchgeführt, wenn eine Aussicht auf Heilung besteht oder der Eingriff die körperliche Verfassung und damit die Lebensqualität verbessern kann. Sofort operiert werden muß ein Darmtumor dann, wenn er starke Schmerzen verursacht oder wenn ein Darmverschluß droht. Man versucht, den Tumor weitestgehend herauszuschneiden, obwohl dies oft nicht gelingt, wenn der Krebs bereits in Nachbarorgane eingewachsen ist. Neben der Operation kommt bei Patienten mit metastasiertem Darmkrebs die medikamentöse Therapie - Chemotherapie und so genannte zielgerichtete Wirkstoffe - zum Einsatz. Bei einer sehr kleinen Untergruppe von Patienten mit einer bestimmten Tumor-Eigenschaft ist die Immuntherapie mit so genannten Immun-Checkpoint-Hemmern vielversprechend: Die Erkrankung scheint sich damit länger unter Kontrolle halten zu lassen.

Therapie im Stadium IV

TNM

T 1-4, N0-2, M1

Was bedeutet das?

Es ist nicht nur der Tumor am Darm vorhanden, es wurden auch Fernmetastasen, meist in Leber oder Lunge, festgestellt.

Therapie bei Dickdarmkrebs

Verschiedene Therapiestrategien je nach Ausgangssituation: Operation von Darmtumor und Metastasen und gegebenenfalls medikamentöse Therapie vor der Operation zur Verkleinerung der Metastasen. Oder alleinige medikamentöse Therapie zur Lebensverlängerung und Symptomlinderung, wenn die operative Entfernung der Tumoren nicht möglich ist (palliative Therapie). Eventuell Teilnahme an klinischen Studien mit neuen Behandlungsansätzen. Keine geregelte Nachsorge.

Therapie bei Mastdarmkrebs

Prinzipiell wie bei Dickdarmkrebs, außer dass in bestimmten Situationen  auch eine Strahlentherapie zum Einsatz kommen kann.

Therapiefortschritte beim fortgeschrittenen Darmkrebs

Die Behandlung von Darmkrebs im Stadium IV richtet sich nach dem Allgemeinzustand des Patienten, der Ausdehnung der Erkrankung und bestimmten Eigenschaften des Tumors.

Die Therapieentscheidung beginnt mit der Beurteilung des Allgemeinzustandes: Patienten in gutem Allgemeinzustand können eine intensive Behandlung, d. h. eine Operation oder eine intensive medikamentöse Therapie erhalten. Lässt es die Ausdehnung der Erkrankung zu, neben dem Darmtumor auch die Metastasen operativ zu entfernen, ist eine Operation die Methode der Wahl zur Erstbehandlung.Bei manchen Patienten sind die Metastasen zunächst nicht chirurgisch entfernbar (resektabel). Dann wird bei gutem Allgemeinzustand eine möglichst intensive medikamentöse Behandlung durchgeführt und in regelmäßigen Abständen geprüft, ob die Metastasen sich so weit verkleinert haben, dass sie doch operiert werden können. Lesen Sie hier mehr zur Behandlung von Metastasen.

Ist eine operative Entfernung der Metastasen und damit eine Heilung der Erkrankung nicht möglich, kann eine medikamentöse Therapie zumindest das Überleben des Patienten verlängern, Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern (palliative Therapie).

Welche Medikamente Patienten mit metastasiertem Darmkrebs erhalten, richtet sich auch nach den Eigenschaften des Tumors. Sie werden von Veränderungen in bestimmten Abschnitten des Erbguts der Tumorzellen bestimmt. Bei manchen Patienten ist auch relevant, wo im Darm der Tumor sich befindet bzw. befunden hat. Neben der Chemotherapie kommenso genannte zielgerichtete Wirkstoffe zum Einsatz. Diese richten sich gezielt nur gegen bestimmte Strukturen der Tumorzellen bzw. ihrer Botenstoffe und unterbrechen die Weiterleitung von Wachstumssignalen.. Mehr zur medikamentösen Therapie in der palliativen Situation lesen Sie hier. Neben der medikamentösen Therapie können zur Symptomlinderung und Verbesserung der Lebensqualität (Palliativbehandlung) auch Operation und Strahlentherapie und andere lindernde Maßnahmen zum Einsatz kommen.

Neue Behandlungsansätze in klinischen Studien

Die je nach Ausgangssituation komplexe Therapiestrategie bei fortgeschrittenem Darmkrebs mit Metastasen (metastasiertem Darmkrebs) sollte unter Einbeziehung verschiedener Fachdisziplinen (Chirurgie, Radiologie, Gastroenterologie, innere Medizin und Onkologie) festgelegt werden. Daher ist es wichtig, sich an eine erfahrene und spezialisierte Klinik zu wenden. Die Ärzte sollten Sie als Patienten Ihren individuellen Erfordernissen entsprechend ausführlich über die Therapiemöglichkeiten aufklären und in die Entscheidung miteinbeziehen.

Gute Ansprechpartner sind die Universitätskliniken oder Tumorzentren in Deutschland, wie die zertifizierten Darmkrebszentren. Hier besteht zudem auch die Möglichkeit, als Patient an wissenschaftlichen, klinischen Studien teilzunehmen, in denen neue Behandlungsansätze erprobt und erforscht werden. Intensiv erforscht wird bei Darmkrebs derzeit die Immuntherapie mit so genannten Checkpoint-Hemmern. Das sind Wirkstoffe, die die "Bremsen" der Immunabwehr lösen, so dass das Immunsystem die Tumorzellen besser bekämpfen kann. Dieser Ansatz scheint bei einer bestimmten, jedoch sehr kleinen Untergruppe von Patienten das Tumorwachstum für einen gewissen Zeitraum zurückzudrängen und das Überleben zu verlängern.

Palliativmedizin

In der Palliativmedizin soll die Lebensqualität von Patienten, bei denen keine Aussicht auf Heilung mehr besteht, verbessert werden. Dies geschieht durch frühzeitiges Erkennen, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Problemen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art. Teil des Therapiekonzeptes sind daher neben der Behandlung des Tumors auch eine angemessenen Schmerztherapie, eine Ernährungstherapie, eine bedarfsgerechte psychosoziale und psychoonkologische Versorgung sowie unterstützende (supportive) Maßnahmen.

 


Dieser Text entstand mit fachlicher Unterstützung des Krebsinformationsdiensts (KID).
Quellen:
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 2.0, 2017, AWMF Registrierungsnummer: 021/007OL, http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/kolorektales-karzinom/