In vielen Fällen, insbesondere bei Mastdarmtumoren im Stadium II und III, wird bereits vor der Operation eine Strahlentherapie durchgeführt. Ärzte nennen diese Behandlungsform neoadjuvante Radiotherapie; kombiniert mit der Chemotherapie wird sie als neoadjuvante Radiochemotherapie bezeichnet.

Ziel der Behandlung ist es, denTumor vor der Operation weitestgehend zu verkleinern, um ihn anschließend besser und vollständig herausoperieren zu können. Bei großen, tief sitzenden Mastdarmtumoren zielt eine neoadjuvante Radiochemotherapie auch darauf ab, den Afterschließmuskel zu erhalten und so einen künstlichen Darmausgang zu vermeiden.

Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73. doi: 10.1055/s-2008-1027700.

Konnte vor der Operation keine Strahlen- oder Strahlenchemotherapie durchgeführt werden, erfolgt eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie als adjuvante Therapie nach der Operation. Sowohl nach der vollständigen Tumorentfernung (R0-Resektion), als auch dann, wenn noch mikroskopische Reste des Mastdarmtumors im Körper verblieben sind (R1-Resektion), soll die adjuvante Radiochemotherapie beim Mastdarmkrebs im Stadium II und III eventuell noch verbliebene Tumorzellen abtöten und so das Risiko eines Tumorrückfalls vermindern. Mehr zum Operationsergebnis lesen Sie hier.

Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73. doi: 10.1055/s-2008-1027700.

Neoadjuvante Radio(chemo)therapie vor der Operation

Zur neoadjuvanten Strahlentherapie vor der Operation stehen prinzipiell zwei Behandlungspläne zur Verfügung. Welches Konzept gewählt wird hängt stets von der individuellen Krankheitssituation ab, u.a. auch von der Größe und Ausbreitung des Mastdarmtumors.

  • Neoadjuvante Radiochemotherapie: Dabei erstreckt sich die Strahlentherapie über vier bis sechs Wochen. An fünf aufeinander folgenden (Wochen)tagen wird ein Mal bestrahlt, gefolgt von meist zweitägiger Pause, in der sich das gesunde, im Bestrahlungsfeld liegende Gewebe erholen kann. Die Pausen zwischen den Sitzungen sollten nicht verlängert werden, da sich sonst der Behandlungserfolg verschlechtern kann.

Parallel zur Bestrahlung werden in der ersten und einer weiteren Bestrahlungswoche eine Chemotherapie mit dem Zytostatikum 5-FU gegeben, oft in Form einer kontinuierlichen Infusion über fünf Tage.

Vier bis sechs Wochen nach Abschluss der Strahlentherapie erfolgt die Operation. Weitere vier bis sechs Wochen nach der Operation wird die zuvor begonnene Chemotherapie mit vier weiteren Zyklen vervollständigt. Ein Zyklus besteht aus Infusionen mit 5-FU über fünf Tage, gefolgt von 3 Wochen Behandlungspause.

  • Neoadjuvante Kurzzeitbestrahlung: Über fünf aufeinander folgende Tage wird bestrahlt, in der darauf folgenden Woche erfolgt die Operation. Wegen der verhältnismäßig kurzen Bestrahlungsdauer kommt eine höhere tägliche Strahlendosis zum Einsatz. Eine zusätzliche Chemotherapie erfolgt nicht.

Adjuvante Radiochemotherapie nach der Operation

Findet eine Bestrahlung erst nach der Operation statt, wird diese mit einer Chemotherapie kombiniert. Die Behandlung beginnt vier bis sechs Wochen nach der Operation.

  • Fünf Wochen lang erhält der Patient eine Bestrahlung an fünf aufeinander folgenden (Wochen)Tagen mit jeweils zweitägiger Pause. Während der ersten und der fünften Bestrahlungswoche läuft parallel eine Chemotherapie mit dem Zytostatikum 5-FU mittels Dauerinfusion über fünf Tage. Vier Wochen nach Ende der Bestrahlung wird die Chemotherapie mit 4 weiteren Zyklen 5-FU fortgesetzt. Ein 4-wöchiger Zyklus umfasst eine 5-FU-Gabe an den Tagen 1 bis 5 in der ersten Woche gefolgt von drei Wochen Behandlungspause. Diesmal erfolgt die 5-FU-Gabe nicht als Infusion (Zuführung des Medikaments über einen längeren Zeitraum) sondern als so genannte Bolus-Gabe, d.h. als kompakte Injektion (hierbei bleibt der Wirkstoff zunächst als konzentriertes Injektat eine Zeit lang im Kreislauf erfassbar).
Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73. doi: 10.1055/s-2008-1027700. Sauer R, Becker H, Hohenberger W, Rödel C, Wittekind C, Fietkau R, Martus P, Tschmelitsch J, Hager E, Hess CF, Karstens JH, Liersch T, Schmidberger H, Raab R; German Rectal Cancer Study Group. Preoperative versus postoperative chemoradiotherapy for rectal cancer. N Engl J Med. 2004 Oct 21;351(17):1731-40.

Palliative Radiochemotherapie

Ist der Mastdarmtumor fortgeschritten und in umliegende Strukturen und Organe eingewachsen, kann er durch eine Operation nicht mehr vollständig herausoperiert werden. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass durch das Tumorwachstum Beschwerden wie Schmerzen oder ein Darmverschluss auftreten.

Auch jetzt, in der palliativen Situation, kann die Strahlentherapie Verbesserungen bewirken. Der Tumor schrumpft unter der Bestrahlung, gleichzeitig kommt eine Chemotherapie zum Einsatz, um durch Metastasen bedingte Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Klinische Studien

Klinische Studien laufen, um die Ergebnisse der Radio- und Radiochemotherapie in den unterschiedlichen Behandlungssituationen zu überprüfen und zu verbessern. Besprechen Sie mit Ihrem Onkologen, in wie weit es für Sie als Patient von Vorteil ist, an einer solchen Studie teilzunehmen. Mehr zum Thema klinische Studien lesen Sie hier.