In vielen Fällen, insbesondere bei Mastdarmtumoren im Stadium II und III, wird bereits vor der Operation eine Strahlentherapie durchgeführt. Ärzte nennen diese Behandlungsform neoadjuvante Radiotherapie; kombiniert einer Chemotherapie wird sie als neoadjuvante Radiochemotherapie bezeichnet.

Ziel der Behandlung ist es, das Rückfallrisiko zu verringern und den Tumor vor der Operation weitestgehend zu verkleinern, um ihn anschließend besser und vollständig herausoperieren zu können. Bei großen, tief sitzenden Mastdarmtumoren zielt eine neoadjuvante Radiochemotherapie auch darauf ab, den Afterschließmuskel zu erhalten und so einen künstlichen Darmausgang zu vermeiden.

Konnte vor der Operation keine Strahlen- oder Strahlenchemotherapie durchgeführt werden, erfolgt bei Patienten mit einem erhöhten Rückfallrisiko eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie als adjuvante Therapie nach der Operation. Die adjuvante Radiochemotherapie beim Mastdarmkrebs im Stadium II und III soll eventuell noch verbliebene Tumorzellen abtöten und so das Risiko eines Tumorrückfalls vermindern. Mehr zum Operationsergebnis lesen Sie hier.

Neoadjuvante Radio(chemo)therapie vor der Operation

Zur neoadjuvanten Strahlentherapie vor der Operation stehen prinzipiell zwei Behandlungspläne zur Verfügung. Welches Konzept gewählt wird hängt stets von der individuellen Krankheitssituation ab, u.a. auch von der Größe und Ausbreitung des Mast- bzw. Enddarmtumors.

Neoadjuvante Radiochemotherapie: Dabei erstreckt sich die Strahlentherapie über vier bis sechs Wochen. An fünf aufeinander folgenden (Wochen)tagen wird ein Mal bestrahlt, gefolgt von meist zweitägiger Pause, in der sich das gesunde, im Bestrahlungsfeld liegende Gewebe erholen kann. Die Pausen zwischen den Sitzungen sollten nicht verlängert werden, da sich sonst der Behandlungserfolg verschlechtern kann.

Parallel zur Bestrahlung werden in der ersten und einer weiteren Bestrahlungswoche eine Chemotherapie mit dem Zytostatikum 5-FU gegeben, oft in Form einer kontinuierlichen Infusion über fünf Tage. Alternativ zur 5-FU-Infusion kann auch das in Tablettenform verfügbare Capecitabin eingesetzt werden. Es wird übder den gesamten Zeitraum der Strahlentherapie täglich eingenommen.

Sechs bis acht Wochen nach Abschluss der Strahlentherapie erfolgt die Operation.

Bei manchen Patienten verschwindet der Tumor infolge der Radiochemotherapie komplett. In einem solchen Fall kann eventuell in Erwägung gezogen werden, auf die Operation zu verzichten. Statt der Operation werden dann in kurzen Abständen (z.B. alle 3 Monate innerhalb des ersten Jahres) Kontrolluntersuchungen durchgeführt, um eine Wiederkehr des Tumors möglichst frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können. Man spricht auch von einer wait-and-see-Strategie. Als Patient  sollte man wissen: Dieses Behandlungskonzept stellt derzeit kein gesichertes Vorgehen dar, sondern wird noch in Studien untersucht.

Neoadjuvante Kurzzeitbestrahlung: Über fünf aufeinander folgende Tage wird bestrahlt, in der darauf folgenden Woche erfolgt die Operation. Wegen der verhältnismäßig kurzen Bestrahlungsdauer kommt eine höhere tägliche Strahlendosis zum Einsatz. Eine zusätzliche Chemotherapie erfolgt nicht.

Adjuvante Radiochemotherapie nach der Operation

Findet eine Bestrahlung erst nach der Operation statt, wird diese mit einer Chemotherapie (mit 5-FU) kombiniert. Die Behandlung beginnt vier bis sechs Wochen nach der Operation.

Palliative Radiochemotherapie

Ist der Mastdarmtumor fortgeschritten und in umliegende Strukturen und Organe eingewachsen, kann er durch eine Operation nicht mehr vollständig herausoperiert werden. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass durch das Tumorwachstum Beschwerden wie Schmerzen oder ein Darmverschluss auftreten.

Auch jetzt, in der palliativen Situation, kann die Strahlentherapie Verbesserungen bewirken. Der Tumor schrumpft unter der Bestrahlung, gleichzeitig kommt eine Chemotherapie zum Einsatz, um durch Metastasen bedingte Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Klinische Studien

Klinische Studien laufen, um die Ergebnisse der Radio- und Radiochemotherapie in den unterschiedlichen Behandlungssituationen zu überprüfen und zu verbessern. Besprechen Sie mit Ihrem Onkologen, in wie weit es für Sie als Patient von Vorteil ist, an einer solchen Studie teilzunehmen. Mehr zum Thema klinische Studien lesen Sie hier.

 


Dieser Text entstand mit fachlicher Unterstützung des Krebsinformationsdiensts (KID).
Quelle:
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 2.0, 2017, AWMF Registrierungsnummer: 021/007OL, http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/kolorektales-karzinom/