Gast
Mittwoch, 8. April 2009 - 23:42
Hallo,
ich bin schon seit längerer Zeit stille Mitleserin, jetzt würde ich gerne mal Eure Meinung wissen:
Mein Vater ist 83 Jahre alt und man hat im Februar 2008 Darmkrebs bei ihm diagnostiziert, der aber ohne Stoma operiert werden konnte. Leider hat man einige Wochen später Lungenmetas festgestellt, die mit XELODA gut behandelt werdeb konnten.
Bis Herbst 2008 ging es ihm richtig gut: ich muss dazu sagen, dass er nie wie ein "alter Mann" wirkte, sondern sehr "jung geblieben" ständig mit meiner Mutter, die 8 Jahre jünger und "fit" ist, unterwegs war. Auch die Chemo hat er stets gut vertragen. Er hat zwar viel geschlafen, aber sie waren trotzdem abends essen etc.
Im Herbst ging es ihm schlechter, er hat verwaschen gesprochen etc. Kurzum am 23.12. hat man ihm eine Meta am Kleinhirn entfernt, nach 10 Tagen entlassen.
Ihm geht es nun immer schlechter, er liegt den ganzen Tag im Bett, kann das Haus nicht mehr verlassen, hat aber noch guten Appetit. Der behandelnde Onkologe sagt, der Tumormarker sei wieder gestiegen, man könne nichts mehr machen, es gehe auf das Ende zu.
Jetzt komme ich (endlich) zu dem eigentlichen Problem: meine Mutter. Sie kann offenbar nicht akzeptieren, dass er nicht mehr gesund wird, dass es "bergab" geht und dass man nichts mehr machen kann. Ich schaffe es einfach nicht, ihr zu vermitteln, dass es ihm den Umständen nach und in Anbetracht seines Alters gut geht und dass alles letztes Jahr hätte vorbei sein können. Sie jammert ständig, dass sie nicht vor die Tür kommt und lässt sich selbst hängen. Mein Vater hat sich schon bei meiner Schwester beklagt, dass meine Mutter ihn ständig beobachte und dass er es kaum aushält. Er hat allerdings (krankheitsbedingt?) auch Phasen, in denen er sie übel anschreit, was sehr untypisch ist für ihn und auch Ausdrücke benutzt, die er sonst nie verwenden würde.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen oder kann mir sagen, wie es weitergehen könnte? Muss ich damit rechnen, dass er irgendwann "umfällt" bzw. kennt jemand das Verhalten, wie das von meiner Mutter? Hoffe, ich habe nicht zu wirr geschrieben, aber ich bin auch ganz durcheinander. Einerseits habe ich Angst meinen Vater zu verlieren, andererseits wünsche ich ihm, dass er nicht leiden muss.
Lieben Gruss
ich bin schon seit längerer Zeit stille Mitleserin, jetzt würde ich gerne mal Eure Meinung wissen:
Mein Vater ist 83 Jahre alt und man hat im Februar 2008 Darmkrebs bei ihm diagnostiziert, der aber ohne Stoma operiert werden konnte. Leider hat man einige Wochen später Lungenmetas festgestellt, die mit XELODA gut behandelt werdeb konnten.
Bis Herbst 2008 ging es ihm richtig gut: ich muss dazu sagen, dass er nie wie ein "alter Mann" wirkte, sondern sehr "jung geblieben" ständig mit meiner Mutter, die 8 Jahre jünger und "fit" ist, unterwegs war. Auch die Chemo hat er stets gut vertragen. Er hat zwar viel geschlafen, aber sie waren trotzdem abends essen etc.
Im Herbst ging es ihm schlechter, er hat verwaschen gesprochen etc. Kurzum am 23.12. hat man ihm eine Meta am Kleinhirn entfernt, nach 10 Tagen entlassen.
Ihm geht es nun immer schlechter, er liegt den ganzen Tag im Bett, kann das Haus nicht mehr verlassen, hat aber noch guten Appetit. Der behandelnde Onkologe sagt, der Tumormarker sei wieder gestiegen, man könne nichts mehr machen, es gehe auf das Ende zu.
Jetzt komme ich (endlich) zu dem eigentlichen Problem: meine Mutter. Sie kann offenbar nicht akzeptieren, dass er nicht mehr gesund wird, dass es "bergab" geht und dass man nichts mehr machen kann. Ich schaffe es einfach nicht, ihr zu vermitteln, dass es ihm den Umständen nach und in Anbetracht seines Alters gut geht und dass alles letztes Jahr hätte vorbei sein können. Sie jammert ständig, dass sie nicht vor die Tür kommt und lässt sich selbst hängen. Mein Vater hat sich schon bei meiner Schwester beklagt, dass meine Mutter ihn ständig beobachte und dass er es kaum aushält. Er hat allerdings (krankheitsbedingt?) auch Phasen, in denen er sie übel anschreit, was sehr untypisch ist für ihn und auch Ausdrücke benutzt, die er sonst nie verwenden würde.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen oder kann mir sagen, wie es weitergehen könnte? Muss ich damit rechnen, dass er irgendwann "umfällt" bzw. kennt jemand das Verhalten, wie das von meiner Mutter? Hoffe, ich habe nicht zu wirr geschrieben, aber ich bin auch ganz durcheinander. Einerseits habe ich Angst meinen Vater zu verlieren, andererseits wünsche ich ihm, dass er nicht leiden muss.
Lieben Gruss
für Patienten und auch für deren Partner gibt es auch eine psychoonkologische Beratung und Unterstützung. Im Falle deiner Eltern wäre eine solche Unterstützung wohl mehr für deine Mutter als deinen Vater angebracht.
Eigentlich sollte der behandelnde Onkologe das auf den Weg bringen können.
Alles Gute
landtechniker
578 postswie du an der Zahl der Anworten merkst, ist dein Problem nicht einfach anzugehen. Ich habe überlegt, hier einige Zeilen zu schreiben, es aber dann wieder bleiben lassen. Ich kann dir nur raten, professionelle psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist insbesondere für deine Mutter wichtig. Ihr "Nicht-loslassen-können" belastet alle extrem. Das kann man nicht in ein paar Sätzen lösen. Diese Hilfe kann im Krankenhaus, über den Hausarzt oder auch über die Kirchgemeinde zu finden sein.
Viel Glück Ludwig
Werde das Thema psychologische Unterstützung mal in der Familie ansprechen, aber ich fürchte fast, dass meine Eltern (leider) der Auffassung sind, dass sie ja nicht "bekloppt" sind und keinen "Psychiater" brauchen. Ich selbst werde mit meinen Geschwistern versuchen, weiter für sie da zu sein.
Ein große Hilfe war die Bücher der bekannten Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross (einfach in Google eingeben). Ich hätte mir gewünscht, Erkenntnisse von ihr schon vor dem Tod meiner Schwester gelesen zu haben. Ich habe die z.B. auch die Autobiografie "Das Rad des Lebens" von Elisabeth Kübler-Ross gelesen - nun habe ich selbst auch nicht mehr solche Angst vor dem Tod.
Elisabeth Kübler-Ross beschreibt die fünf Phasen des Sterbens - vielleicht befindet sich dein Vater in der 2.Phase:
**************
Zorn (Anger)
Der Patient verspürt Neid auf die Weiterlebenden. Das führt zu unkontrollierbaren Wutausbrüchen auf alle, die nicht an seiner Krankheit leiden, wie z. B. Schwestern, Ärzte und Angehörige. Diese können weiter ihr Geld verdienen, es in Urlauben ausgeben und ihre Pläne realisieren. Die Angst vor dem Vergessenwerden plagt den Sterbenden zudem, er empfindet sein Leiden vor dem Hintergrund der Katastrophen im Fernsehen als unwichtig. Hilfe für den Patienten kann Aufmerksamkeit sein, dem Patienten nicht aus dem Weg zu gehen und seinen Zorn notfalls auch zu provozieren, so dass es zur Aussprache kommt. Wichtig dabei bleibt, dass die Betreuenden den Zorn des Patienten nicht persönlich nehmen sollen, da der Zorn sonst Gegenzorn provoziert, was einen fehlerhaften Kreis (Spirale des Streites) nach sich zieht.
*********
Ich hoffe, dass ich ein wenig helfen konnte. Vielleicht kann deine Mutter durch ein Buch neue Wege finden, um mit der Situation besser auszukommen.
Liebe Grüße von Daijana
landtechniker
578 postses geht nicht um einen "Psychiater". Mach das bitte auch deinen Eltern klar. Vielleicht kommen sie mit einem "Seelsorger" besser zurecht. Und versuch vielleicht vorab schon mal mit dem Krankenhauspsychologen Kontakt aufzunehmen.
Alles Gute
Ludwig
Vielen Dank für die Buchempfehlungen, werde gleich mal danach schauen.
Lieben Gruss
ich kann keinen Rat geben, aber ich kann mein Erfahrung schreiben. Meine Mutter hatte auch Darmkrebs. Nach mehreren Stürzen wurden 5 Hirnmetastasen festgestellt, diese wurden bestrahlt, und von da an ging es rapide bergab. Zuletzt kam sie in eine Hospiz. Die Hirnmetastasen haben bei meiner Mutter Krampfanfälle ausgelöst, ein Horror das mit anzusehen. Aber die Schwerstern im Hospiz wussten was zu tun war. Die Anfälle häuften sich immer mehr. Meine Mutter und ich hatten ein extrem inniges Verhältnis und wir konnten über alles reden, auch ihren bevorstehenden Tod, aber insgeheim hat niemand wirklich los gelassen. Es wurde dann so schlimm, dass meine Mutter ständig dieses Restless - Leg - Syndrom bekam, aber nur wenn ich sie besuchte. Die Schwester im Hospiz sagte mir, dass meine Mutter sich um mich sorgt, wenn sie nicht mehr da ist, und deshalb nicht loslässt. sie hat selten so ein inniges Verhältnis erlebt. Daraufhin wurde mir hier in diesem Forum geraten, ihr zu sagen, sie müsse mich loslassen, sonst kann sie nicht gehen und ihr Leiden würde noch lange so weiter gehen. Das habe ich 2 mal in gewissen Abständen getan. Ich habe noch nie so etwas schreckliches machen müssen, vor allem, weil ich ja gar nicht wollte, dass sie geht. Kurz darauf war sie nicht mehr ansprechbar, aber ich war da und habe sie gestreichelt und sie hat reagiert. Am Tag bevor sie verstarb habe ich mich von ihr verabschiedet, und ein Ruck ging durch ihren Körper, wie ein Stromschlag. Am nächsten Mittag ist sie friedlich gegangen. Ich konnte bis heute nicht loslassen, aber ich weiß, meiner Mutter geht es jetzt gut. Dem Menschen zu sagen, er soll los lassen, oder es selbst zu versuchen ist so hart, aber nur so kann ihm sehr viel Leid erspart werden. Ich wünsche Euch alle Kraft der Welt, ihr werdet sie brauchen.
LG.
Renate
Als es dann durch die Bestrahlung besser wurde mit den Schmerzen hatte er wieder lebensfreude, mut.
Die Schwestern haben mich oft heimlich abgefangen um allein mit mir zu reden.Sie meinten ich solle doch meinen Mann darauf vorbereiten das das Leiden bei Ihm bald zu Ende gehen könnte. Für mich eine Aufgabe die ich nicht erledigen konnte, mein Mann war so voller Hoffnung und hatte so viel Lebensmut wieder bekommen.Als er im Sterben lag wurde ich von den Schwestern gefragt ob ich ihm gesagt hätte das er gehen darf, niemals kammen diese Worte über meine Lippen, nichtmals heute bin ich bereit seinen Tod zu akzeptieren, ihn gehen zu lassen.
Ich wünsche allen viel Kraft